Tägliche Archive: 31. März 2008

Dealer in Digitalistan

Ein vermeintliches Beispiel verfehlter Einsparungen:

In Webforen musste sich Blizzard Schelte anhören, weil man für den Service lediglich einen Carrier nutzt („single homed“). In der Tat ist es für Onlinedienste, die unabhängig vom Ausfall einzelner Netze stets verfügbar sein wollen, eigentlich unerlässlich, eine mehrfache Redundanz bei der Anbindung vorrätig zu haben („multi homed“). Blizzard aber verwies in einer Stellungnahme lapidar auf den Krach der beiden Netzbetreiber: „Dies hat für einige Nutzer des Internet negative Auswirkungen, der Effekt ist das Ergebnis der Entscheidung von Cogent und unglücklicherweise außerhalb des Einflussbereichs von TeliaSonera.“

Natürlich kann sich Blizzard eine redundante Anbindung leisten. Vielleicht ist aber nicht Geiz der Grund, sondern strategisches Kalkül. Wenn man die Süchtigen ab und zu mal auf kalten Entzug setzt, sind sie anschließend um so zahlungswilliger. Der cold turkey darf aber nicht zu lange dauern, sonst entdecken die ersten Kunden Ersatzdrogen. Vielleicht The Sims? Oder Schach?

Keine Zeit für Helden?

Das waren noch Zeiten: der große Fido-Putsch anno 1993, die edlen Schlachten um die wahren Werte des Usenets. Wenn mal etwas klemmte und den Fortschritt behinderte, griff man zu den heiligen Schwertern und Protokollen. Unangreifbare Authoritäten wurden über Nacht gestürzt, wir Netizens machten einfach unser eigenes Ding. Denn das Netz gehörte uns, nicht den Universitäten, nicht IBM und erst schon gar nicht AOL.

Und was ist heute? Da ist es schon revolutionär IPv4 eine halbe Stunde abzuschalten. Und Nationalstaaten legen Standards fest. Die Barrikaden sind verwaist.