Die Wikipedia als court room drama
Selbst die Wikipedia hat ihre Bösewichte. Nicht nur die gewöhnlichen Trolle, sondern die Super-Schurken, die an den Grundfesten der Gesellschaft rütteln. Eine Gesellschaft, in der niemand seine Tür abschließt, weil Türen den Eintritt behindern.
Das Blöde: Man kann sich nicht sicher sein, wer wer ist. Denn anders als in den Batman-Filmen tragen die Schurken nicht zwei Pfund Schminke, sondern sehen aus wie ganz normale Nutzer. Und kaum hat man sie erwischt, sehen sie aus wie ein ganz anderer normaler Nutzer. Nicht mal die IP - so nutzlos sie bei einigermaßen erfahrenen Trollen sein mag - ist normalerweise sichtbar.
Wie identifiziert man also die Super-Schurken? Mit statistischen Methoden:
And I’ve never seen two separate editors who edit during the same time of day not once edit simultaneously over a year and other 1400 edits each. The depth of evidence is really quite good.
Der Beschuldigte fährt regelmäßig am Tatort vorbei. Beweisaufnahme beendet.
Das Zitat ist arg aus dem Zusammenhang gerissen. Die statistischen Indizien, die Cool Hand Luke zusammengetragen hat, sind weitaus umfangreicher und gehaltvoller, als es in dieser Mail deutlich wird:
http://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Requests_for_arbitration/Mantanmoreland/Evidence#Evidence_presented_by_Cool_Hand_Luke
Dieses “I’ve never seen” war wohl eher eine schnelle Retourkutsche auf das ebenfalls recht wolkige “I’ve never seen an actual sock IDed that had that range of overlap and yet was consistently able to keep other edit patterns outside the overlap range separate” in George Herberts Mail.
Und sicherlich müssen solche Statistiken vorsichtig interpretiert werden (confirmation bias, prosecutor’s fallacy, defendant’s fallacy …). Aber Cool Hand Luke scheint sich durchaus Mühe gegeben zu haben, unvoreingenommen an die Sache heranzugehen und einige der festgestellten Übereinstimmungen auf ihre Signifikanz zu testen.
HaeB: Ja, das hatte ich gesehen. Aber so unumstritten ist die Beweisführung nicht. Und am Ende ist es nur eine Statistik. Mehr hat man nicht, wenn man in einem pseudonymen System ohne Verifikation unterwegs ist.