Der ultimative Du-hast-ein-Problem-Fragebogen

In der Readers Edition bin ich auf eine altbekannte Checkliste zur Onlinesucht gestoßen. Bitte nicht allzu ernst nehmen, ich halte den Test für so fundiert, wie die vielen Nerd-Tests oder einen Fragebogen mit der Überschrift „Welcher Star-Trek-Charakter bist Du?“

  1. Das Internet beschäftigt mich, ich denke daran, auch wenn ich offline bin.
  2. Ich brauche immer mehr Zeit im Internet, um zufrieden zu sein.
  3. Ich bin unfähig, meinen Internet-Gebrauch zu kontrollieren.
  4. Ich werde unruhig und reizbar, wenn ich versuche, meinen Internetkonsum einzuschränken oder darauf zu verzichten.
  5. Das Internet ist für mich ein Weg, um vor Problemen zu fliehen oder schlechtes Befinden (Hilflosigkeits- oder Schuldgefühl, Angst, Depression) zu bessern.
  6. Ich lüge meiner Familie oder Freunden gegenüber, um das Ausmaß meiner Beschäftigung mit dem Internet zu verbergen.
  7. Ich habe schon Arbeit, Ausbildungs- oder Karrieremöglichkeiten oder zwischenmenschliche Beziehungen wegen des Internets in Gefahr gebracht.
  8. Ich gehe ins Netz, auch wenn ich exzessive Gebühren zahlen muss.
  9. Ich bekomme im Offline-Zustand Entzugserscheinungen.
  10. Ich bleibe immer wieder länger online, als ich mir vorgenommen habe.

Was habe ich an dem Fragebogen auszusetzen? Nun: die Fragen 3 und 10 sind beispielsweise identisch und hängen von der Selbstwahrnehmung eines vermeintlich Süchtigen ab. Auch die Fragen 4 und 9 sind weitgehend deckungsgleich. Dazu ist der Test hoffnungslos veraltet: Heute verdienen viele Menschen mit dem Internetgebrauch ihr Geld. Und jeder Internetsüchtige dürfte heute eine Flatrate haben – das Kostenkriterium trifft wohl eher diejenigen, die über Flughafen-Hotspots ihre Mails checken wollen oder müssen.

Nun, was hilft alles Lästern? Basteln wir uns doch einen eigenen Fragebogen. Wenn Du von folgenden Kriterien drei mehrmals oder über einen längeren Zeitraum erfüllst und dabei Deine Zunge im linken Ohr steckt, hast Du definitiv ein Problem.

  1. Du erwischst Dich dabei, dass Du mit Dir selbst chattest oder einen Flamewar gegen Dich selbst führst.
  2. Du schmiedest finstere Mordpläne gegen einen Troll.
  3. Du bist männlich.
  4. Du glaubst alles, was Dein Lieblings-Blogger schreibt.
  5. Du checkst an der Supermarktkasse Deine Emails
  6. Du wirst von neuer Hardware / Software / einem besonders gelungenem Webdesign buchstäblich sexuell erregt.
  7. Du führst ein ersthaftes Gespräch in einem öffentlichen IRC-Kanal
  8. Du kennst Pizza, aber keine Pizzeria.
  9. Die Porno-Rechnungen in Deiner Inbox sind echt.
  10. Du sagst „LOL“.

3 Kommentare.

  1. Puh, es sind nur zwei! *schwitz!* Aber nur, weil 3. auf mich nicht zutrifft! :-)

  2. Meinem Bruder will ich das „LOL“ endlich abgewöhnen. Das geht selbst mir als Hardcore-Internet-User mächtig auf die Nüsse.

    Das mit den Pornorechnungen ist aber mal richtig kreativ. :D Die anderen sind natürlich auch top. :)

  3. Psychologische Tests sind tatsächlich so aufgebaut, dass Fragen in ähnlicher Form gestellt werden. Die Fragen im Umfeld beeinflussen indirekt nämlich, wie man auf eine Frage antwortet. Das wird alles schon seinen Sinn haben.

    Aber psychologische Tests werden auch von Experten ausgewertet, und nicht nach Schema F zusammenaddiert.

    Insofern ist dieser Test zwei Dinge: 1. Psychologisch gut. 2. Unbrauchbar für eine richtige psychologische Erst-Analyse.