Tägliche Archive: 3. November 2005

Die Altforenden

Lebenserfahrung ist nicht durch Google zu ersetzen. Zumindest nicht immer. So wird der Bundestag auch weiterhin einen �ltestenrat haben und auch in Zukunft versammeln wir uns zu Fü�en unserer Altvorderen, um ihrer weisen Worte zu lauschen. Hoffentlich auch dann, wenn wir die Altvorderen sind.

Doch wir müssen nicht so lange warten, bis unsere Beine uns nicht mehr zuverlässig tragen und unsere Rücken krumm geworden sind. Vergessen wir nicht: ein Jahr entspricht sieben Internetjahren. Und vielleicht 30 Forenjahren. Wer sich in einem Webforum engagiert, kann schon nach wenigen Monaten damit rechnen, zum alten Eisen und bewährten Ansprechpartner gerechnet zu werden.

Damit das auch dem AuÃ?enstehenden direkt ins Auge springt, wird in vielen Webforen die Anzahl der Beiträge des Autors jedes Beitrags angezeigt. Und zur richtigen Einordnung werden auch noch Sternchen, Punkte und putzige Titel vergeben. Wer im Forum des Providers Freenet anfängt, kann als „Newcomer“ mit einem Sternchen zur „Elite“ mit fünf Sternen nur neidisch aufblicken. Im Forum der saarländischen Metal-Fans muss man die Ränge „Painkiller“, „Steel Tormentor“ oder „Painkiller“ durchlaufen, im Digitalfotonetz kann man gar bis zur „Lebenden Foren-Legende“ aufsteigen.

Irritiert war ich über ein Linux-Forum, in dem ich in zwei Jahren immerhin eine niedrige dreistellige Anzahl von Postings zu Stande gebracht hatte. Dort werde ich seit kurzem als „Hacker“ geführt – eine Profession, der ich mich eigentlich nicht zugeordnet hätte. Aber es wird besser. Noch ein paar hundert Einträge und ich rücke auf die nächste Stufe vor: dann bin ein „Guru“. Und dann dürft Ihr Euch zu meinen FüÃ?en versammeln und lauschen.

The right nerd

Nerds und Geeks haben wichtige gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Aufgaben: ohne sie müssten Firmen wie Microsoft oder Norton für jeden Privatkunden 10 Stunden Support leisten und es liefe immer noch nichts. Jeder sollte mindestens einen in seiner Umgebung haben, „der sich mit Computern auskennt„.

Doch das ist ein weites Feld. Am Ende bekommst Du nur ein Skriptkiddie, das mal eben einen Trojaner installiert und es irrsinnig witzig findet, Deine Emails zu lesen und in Deinem Namen eine Styroporfabrik bei Ebay ersteigert. Oder einen Computerbild-Leser, der sich mühsam von Mausklick zu Mausklick vorarbeitet und beim ersten Zeichen von Ärger das Keyboard fallen lässt und leise zu wimmern beginnt.

Mit drei einfachen Fragen sollten sich die übelsten Missgriffe vermeiden lassen.

  • Frage 1: Was ist lame?
    Die Antwort „Ich sicher nicht“ disqualifiziert sofort.
  • Frage 2: Sollte ich Linux Installieren?
    Die Antwort ist wahrscheinlich „Nein“. Sei mal ehrlich: wenn Du Deinen Videorekorder programmieren könntest, wäre Linux eine Option.
  • Frage 3: Welches ist die beste Serie des Star Trek-Universums?
    Seien wir ehrlich: wer TOS, Enterprise oder gar Voyager gut findet, hat zu ernste persönliche Probleme, als dass man ihm einen Computer anvertrauen könnte.

Merke: Wenn Du den perfekten „Auskenner“ gefunden hast, solltest Du ihn bei Laune halten.