Der Troll in freier Wildbahn

Internet ist Kommunikation. Doch was ist, wenn keiner mit Dir kommunizieren will? Troll Dich doch!

Der gemeine Troll ist überall im Internet anzutreffen: Zum Beispiel hier oder hier oder hier. Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet ist das Usenet, wo er aber durch häufigen Einsatz von Killfiles dezimiert und teilweise sogar domestiziert wurde.

Kein Troll, nur eine SteinlausGroße Bestände sind jedoch in die schier unbegrenzten Weiten des Internet abgewandert, wo keine Zäune und Mailbomben drohen. Dort hat er saftige und weitgehend anonyme Weidegründe gefunden. Das ist wichtig. Denn der gemeine Troll – und er heißt nicht nur so, weil er so weit verbreitet ist – ernährt sich davon, dass man nicht mal eben bei ihm vorbeischauen kann, um ihm körperliche Unbillen zu bereiten. Eine ausgewogene Mischung aus Betriebssystemen, Drogen und billigen Pornoheften ergänzt die Nahrung dieser Geschöpfe.

Das Paarungsritual von Trollen ist possierlich und gar nicht schwer zu beobachten. Kurioserweise orientieren sich die Trolle dazu nicht an Jahreszeiten oder Wetterbedingungen – die Haupt-Paarungszeit ist Freitag. Das läufige Weibchen beginnt zuerst mit dem so genannten „Scharwenzeln“ – ein zunächst harmlos erscheinendes Off-Topic-Posting oder ein eher zaghaftes „Mit Windows Und das ist ein Wolpertingerwäre das nicht passiert“. Manchmal reicht sogar eine Überschrift ohne Text, um die Männchen anzulocken. Die beginnen sofort mit dem berühmten Monopol-Sicherheitslücken-TOC-Tanz, der zum einen sehr typisch ist, aber bei jedem Exemplar eine ganz individuelle Note bekommt. Das Weibchen antwortet mit „Marktanteil, Marktanteil“-Schreien, die die Männchen zu immer wilderem Toben animieren. Schließlich vollziehen sie den Akt, das in der Fachsprache „Plonken“ genannt wird. Ein Trollweibchen kann sich teilweise mit bis zu acht verschiedenen Männchen paaren.

Obwohl die Trolle zu den Säugetieren gezählt werden, haben sie einige Eigenschaften der Reptilien übernommen. So häuten sie sich in unregelmäßigen Abständen. Aufmerksame Beobachter können am Wegesrand öfter mal einen leeren Freemailer-Account finden. Sie wissen dann: ganz in der Nähe ist eine Trollwiese.

Zur weiteren Lektüre empfehle ich das Standardwerk des berühmten Trollforschers Wik I. Pedia.

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