Archive for the 'Fiction' Category

Gamer dürfen keine Windeln wechseln

Ich les ja ab und an ganz gern den Gamer-Comic mit dem wirklich unglücklichen Namen Ctrl+Alt+Del. Die Grundkonstellation ist einfach: Ethan ist ein Mann-Kind, das sich über Computerspiele definiert. Er gibt sein ganzes Geld für Computerspiele aus, spielt mit seinem Mitbewohner ein Spiel nach dem anderen und hat aus nicht nachvollziehbaren Gründen eine Freundin namens Lilah.

Vor ein paar Monaten der Einschnitt in dem ewig währenden Jugendtraum: Lilah verlobt sich nicht nur mit Ethan, sie wird sogar schwanger. Das beeinflusst den Plot der Story relativ wenig, doch der Tag der Niederkunft kommt unaufhaltsam näher. Und nun das - eine Fehlgeburt.

Comic-Autor Tim Buckley begründet den drastischen Schritt so:

If a baby was introduced to the strip, Ctrl+Alt+Del would not suddenly convert into a parenting comic strip, with changing diapers every other strip, etc. This is a comic, and I don’t need to show every mundane detail of these characters’ lives. They are rarely seen eating, and I’ve never shown them going to the bathroom. Do you think that they just never shit? Of course not. It’s just naturally assumed that some everyday stuff goes on around whatever is shown in the comic. Same thing with a baby (Yes, I’m comparing parenting to shitting. Can you tell I’m not a Dad?). There would of course be some baby-centric storylines now and then, but nothing says it has to take over the whole strip.

Neben der story line gibt es aber auch autobiographische Gründe:

Some many years ago, long before I started the comic, I was in a relationship and we suffered a miscarriage. Now, this relationship was toxic to begin with and doomed to fail regardless, so that the miscarriage was the straw that broke the camel’s back came as no surprise.

Wie geht es weiter? Mal sehen. Von anderen Paaren hört man ja seit drei Jahren nichts.

The Tower Boys

“It’s just sloppy design,” said Pony. “I daresay one of the lads found it by accident and tried it again to see what happened. They’re like that, the tower boys. Show ‘em a bit of cunning machinery and they’ll spend all day trying to make it fail. The whole Trunk’s a lash-up, it really is.”
“Why do we employ people like these?” said Stowley, looking bewildered.
“Because they’re the only people mad enough to spend their life up a tower, miles away from anywhere, pressing keys,” said Pony. “they like it.”

Terry Pratchett: Going Postal

Nerdhumor, Lyrik und Romantik

Wie so viele liebe ich die Webcomics von Randall Munroe. XKCD schafft es Nerdhumor mit ein etwas Lyrischem zu verbinden. Und Romantik - aber da muss man drüber stehen. Und Munroe erklärt auch wieso:

XKCD

So ein wenig erinnert mich das an eine Idee von früher: Dates for Geeks

Vorsicht: Realität

In der Wikipedia gibt es Warnhinweise, wenn Artikel nur einen bestimmten Aspekt der Realität abdecken. Oder wenn es um Fiktion geht.

Im Star-Trek-Wiki Memory Alpha ist es umgekehrt. Hier wird man gewarnt, wenn ein Artikel unsere - doch sehr beschränkte - Realität behandelt.

rpov.jpg

Der Beweis: Google will die Weltherrschaft

Es sieht aus, wie eine lockere kleine PR-Geschichte: Google baut eine Solarkraft-Anlage, die größer ist als Solaranlage des Konkurrenten Microsoft.

Wer den James-Bond-Film The Man with the Golden Gun gesehen hat, weiß jedoch genau, wofür sich gebündelte Sonnenstrahlen besonders eignen. Kein Zweifel: Google baut an einem Todesstahl und will die Regierungen der Erde erpressen.

Wer kann das verhindern?

(via Falk)

Verkehrdurchsage

Die aktuelle Verkehrsdurchsage.

Auf der Verbindung zwischen DeCIX und BeCIX kommt es wegen eines querstehenden Routers zu Verzögerungen von mindestens 17 Millisekunden.

Auf dem Backbone von T-Online besteht Gefahr wegen spielenden Kindern. Routen Sie äußerst rechts und multicasten Sie nicht.

Wir wünschen Ihnen noch einen guten Ping.

Nennt mich Tyler

Eben hab ich wieder festgestellt, wie klein doch die Netzcommunity ist. Besonders, was die streitbaren Geister angeht. Grade hat man sich an einen Schreihals gewöhnt, der ständig über die Wikipedia / die Parfümloby / das Blogger-Establishment aufregt, da taucht der selbe Name an ganz anderer Stelle auf einer Abmahnung / einem Boykottaufruf / einer unverholenen Drohung gegen einen Winzblogger / einen Pädophilen / eine Partei auf. Besonders spannend ist es, wenn die Trolle gemeinsame Interessen entdecken, und sich dann über Wochen gegenseitig bekriegen. Oder einen Verein gründen.

Ein Verein ist eigentlich gar keine schlechte Idee. Dabei denke ich an keinen e.V. Kein Grassroot-Movement und keine Partei. Eher ein Club. Troll Club. Einer muss es nur die ersten Schritte machen. Vielleicht sollte ja ich das in die Hand nehmen.

Zuerst brauche ich die Aufmerksamkeit der Trolle. Das erreiche ich, indem ich aufsehenerregende Schaukämpfe mit mir selbst liefere. Nichts gewöhnliches, ich schraube die Eskalationsstufen immer etwas höher. Klagedrohungen, Veröffentlichung privater Details, Kontonummern, vielleicht sogar heimlich aufgenommene Schnappschüsse vom vermeintlichen Gegner. Kontopfändungen. Der Schaukampf wird Publikum anziehen, darunter auch Trolle, die sich mal auf jene, mal auf diese Seite schlagen.

Mit einigem Geschick kann ich diese Gruppe zu ersten Treffen organisieren. Natürlich nicht öffentlich. Sondern im Verborgenen. In lokalen Newsgroups. In Gästebüchern von Tokio-Hotel-Fanclubs. Und in Webchats, die eigentlich der befriedigung primärer Sozialbedürfnisse dienen sollen. Die Kämpfe werden brutal, aber fair. Webmaster werden die Spuren des Kampfes wegräumen, nur der eine oder andere ausgeschlagene Zahn wird auf dem kalten Html-Betonboden liegen bleiben.

Dann Stufe 2. Wir ziehen aus den Kellern aus. Ich miete einen alten klapprigen Server, in dem wir uns organisieren. Natürlich darf nicht jeder rein, sonst macht es keinen Spaß. Ich werde die Trolle wie Dreck behandeln und sie werden mir dafür bedingungslos gehorchen. Sie schlafen auf Pritschen und stellen tagsüber schreckliche Webshops her. Oder Spam. Operation Chaos kennt keine Gnade. Schließlich lernen sie dann, Plastiksprengstoff zu mischen. Um ihn zu verkaufen. Oder um das Establishemnt zu stürzen.

Das ist der Zeitpunkt, mich mit Marla Singer zu verdünnisieren. Seien wir ehrlich: die meisten Trolle können mit Sprengstoff nicht umgehen, die zu erwartende Explosionen werden das Internet um einiges wohnlicher zurücklassen.

Sag mir, wo die Chaoten sind

Sagt mir wo die Nerten sind
Wo sind sie geblieben?
Sagt mir wo die Geekern sind
Was ist gescheh’n?

Sagt mir wo die Nerten sind
Dehydriert saßen sie auf dem Gang
Wann wird man je versteh’n,
Wann wird man je versteh’n?

Sagt mir wo die Geeken sind
mit Robotern spielten sie im Saal
Wann wird man je versteh’n,
Wann wird man je versteh’n?

Sagt mir wo die Chaoten sind
Zogen Krawatten an, der Congress beginnt
Wann wird man je versteh’n,
Wann wird man je versteh’n?

Nein, das ist kein Beitrag für den Poesie-Wettbewerb

Der gute Geschmack

Es klingt etwas merkwürdig, aber ich schäme mich etwas vor meinem Computer. Nun, eigentlich gar nicht vor meinem Computer, sondern vor einem Server. Oder drei. Ähm - ich fange von vorne an.

Ich habe einen neuen Account bei last.fm. Das ist ein Internetdienst, der den Musikgeschmack seiner Mitglieder abgleicht, um daraus das perfekte Musikprogramm für jeden Einzelnen zu generieren. Eigentlich nur das Zweitbeste, das Beste gibt es nur für zahlende Kundschaft. Und nicht jeder Künstler darf gestreamt werden. Aber egal.

Eine tolle Sache jedenfalls. Ich logge mich also auf meiner Profilseite ein und da sehe ich tatsächlich meine Musikvorlieben. Individuell. Genau. Datenbankgestützt!

Doch was ist das? Warum ist da so viel Nena auf meiner “Top Artists“-Liste? Und habe ich wirklich so viel Céline Dion gehört? Was sagt das über mich? Um Gottes Willen.

Die nächsten Tage war ich vorsichtig. Ich passte auf, was auf meine Playlist kam, die dann ja flugs an den last.fm-Server übermittelt würde. Abgeschaltet habe ich das nicht - sonst würde ja Nena immer auf der Top List bleiben. Also zückte ich meine Geheimwaffe: Die Dresden Dolls. Ausreichend bekannt und Hip, man muss sich nicht schämen ein Fan zu sein. Und statt Al Steward spielte ich Tocotronic. Und Funny van Dannen. Denn ich habe Humor.

Kurzum: ich habe meinen Musikgeschmack aufgetunt. Ich habe sogar ein paar CDs gekauft, die meinen musikalischen Status etwas anheben werden. Fehlfarben statt Genesis. Apocalyptica statt Adventure Classics. Und irgendeine lateinamerikanisch-norwegische Combo, deren Namen ich nicht mal buchstabieren kann. Damit wird dann meine Playlist gefüllt, ich dreh die Lautsprecher auf laut und verlasse die Wohnung.

Seit drei Wochen komme ich nur noch zum Schlafen nach Hause. Aber mein Musik-Profil ist richtig hip.

Real Life

Stell Dir mal vor, der Weg zur Arbeit wäre wie eine Stunde im Internet.

Müde schleppst Du Dich zum Frühstück. Doch das dauert etwas, weil die Kaffeemaschine wieder geddost wird. Der Toast schlägt Dir vor, dass Du ihn am besten mit einem Steak verzehrst - Du ignorierst es und mampfst die labberige Toastscheibe mit Frischkäse. Ist er wirklich frisch? Die Morgenzeitung hat Bedenken. Schließlich stehst Du auf und gehst zur Arbeit - die Frage Deiner Wohnungstür, ob du wirklich die Wohnung verlassen willst, klickst Du routiniert weg.

Du öffnest den Briefkasten. Wieder drängen sich dort ein Dutzend kleiner Männchen, die in merkwürdigen Akzenten rufen: “Gäb uns duin Geld. Säg üns Deine PÖN. Sicherheit. Sicherheit.”

Dein neues Auto ist wirklich eine Pracht - sechs Megabit/s schnell. Leider ist mal wieder Stau. Die Ampeln zeigen alle Rot. Aber das kennst Du schon: Dein Motor wird neu gebootet und alles steht wieder auf Grün. Oder Blau. Was immer das bedeuten mag. Du drückst aufs Gas und überlegst, ob Du ein paar Hütchenspieler überfährst, die heute in Rudeln über die Straßen laufen.

Die Firma ist in einem riesigen Palast untergebracht. Jedoch etwas hellhörig - Wände aus Sperrholz. Doch es gibt auch Vorteile: die Empfangsdame ist mal wieder fast völlig nackt. Zumindest der Teil, den man hinter dem Tresen sieht. Man darf sie natürlich nicht berühren - sonst beißt sie.

Doch keine Zeit zum Verweilen: Dein Chef hat sein Megafon in Betrieb genommen. Er gibt Dir merkwürdige Anweisungen, die Du erst entschlüsseln musst - der Hauptteil Deiner Arbeit. Aber damit kannst Du nicht sofort beginnen, denn Deine Kollegen haben auch alle Megafone und erzählen sich ständig neue Witze. “PAUERPOINT. FLÄSCH! Hahaha. HA!”

Du seufzt tief und beginnst einen neuen Virus zu schreiben. Einen, der alle für 10 Minuten zum Verstummen bringt. Oder die Zivilisation beenden wird.

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