Ehrensenf ist Konterrevolution!

Früher – als HTML noch statisch war – sprach noch niemand von user generated content. Trotzdem gab es ihn. Die Bewohner einsamer Büros fertigten in ihrer unproduktiven Zeit mit primitivsten Mitteln – oftmals: Powerpoint – eine ganz eigene Art von Kunstwerken. Sie fügten Stück um Stück den Mutterwitz ihrer Vorväter, die Weisheit ihrer Nachbarn und die lustigsten Baby-Bilder aus dem Internet zusammen, packt das ganze in eine Datei und versandten sie an alle Menschen, die sie kannten und liebten. Die Mailserver stöhnten, denn auf ihren Schultern lastete das erste originäre Peer-to-peer-Netz, dass sich nicht von den geklauten Werken überbezahlter US-Künstler nährte.

Doch wo sind die wackeren Powerpointler heute? Weg. Ausgestorben – fast. Einige mögen sich darüber freuen. Doch sehen wir uns an, was wir dafür bekommen haben. Ehrensenf. Die zurückzentralisierte Interpretation der lustigsten Baby-Bilder im Internet. Die Weisheit der Nachbarn? Mutter- oder Vaterwitz? Pustekuchen. Er wurde ersetzt durch industrielle Pointen. Ehrensenf nahm uns das Herz und hat es durch den Humor von Sat1-Adepten ersetzt. Grade hatte sich der Flachwitz ein wenig emanzipiert, da holen ihn sich die Medienkonzerne zurück. Und die Bürobewohner haben keine Muße mehr, werden selbst in privatesten Momenten mit Blackberries gepeinigt.

Ehrensenf ist Konterrevolution!

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